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Bergtour in der Texelgruppe

Trotz unsicherer Wetterprognose wagten 8 Bergwanderer der Sektion Pfullendorf am 4. September nach morgendlicher Fahrt von Pfullendorf nach Pfelders auf die Zwickauer Hütte aufzusteigen, wenn auch die bevorstehenden 1300 Höhenmeter – die Zwickauer Hütte liegt mit 2980m höher als das Zugspitzgipfelkreuz-und die veranschlagte Gehzeit von 4 1/2 Stunden als Nachmittagswanderung uns schon einen gewissen Respekt einflößten. Abgesehen davon dass Petrus uns immer wieder mit kurzen Schauern narrte und uns zu einigen Regenjackenwechselpausen zwang, bewältigten wir den Hüttenaufstieg doch erstaunlich problemlos und mit kürzerer Dauer. Sehr freundlich wurden wir vom humorvollen Hüttenwirt Heinz empfangen. Die angekündigte Schlechtwetterfront mit Kaltluft hatte wohl die meisten Gäste im vorhinein abgeschreckt, so dass nur wenig los war, was uns einen gemütlichen Abend und eine ruhige Nacht bescherte. Nicht schlecht staunten wir dann beim Aufwachen morgens, dass ein Schneesturm unser geplantes Gipfelziel, Hinterer Seelenkogel, zur nicht durchführbaren Illusion werden ließ. Stattdessen harrten wir in der Gaststube und hofften auf besseres Wetter, wobei sich unser Zwangsaufenthalt durch die stimmungsvolle Gesangsunterhaltung des Hüttenteams aus der Küche von nebenan recht kurzweilig gestaltete und nachdem wir dann „Heinz besten Kaiserschmarren der Welt“ genießen durften und sich das Wetter auch noch so schlagartig besserte, dass wir uns mittags schließlich doch zum Übergang zur Stettiner Hütte aufmachen konnten, war unser Seelenfrieden wiederhergestellt. Trotz der großen Höhe war wegen der südexponierten Lage der nächtlich gefallene Schnee rasch schon wieder weggeschmolzen, so dass sich diese hochalpine Wanderung bis auf ein steinschlaggefährdetes Schneefeld, das wir allerdings aus Vorsicht absteigend umgingen, problemlos bewältigen ließ. Glücklich konnten wir uns schätzen, dass wir im Provisorium der Stettiner Hütte (2875m) mit 16 Übernachtungsplätzen als Notunterkunft schlafen konnten. Die Hütte wurde 2014 durch eine Schneelawine zerstört und wird bis zu ihrem geplanten Wiederaufbau provisorisch bewirtschaftet. Unserer Stimmung und unserem Wohlbefinden tat dies keinen Abbruch, nicht zuletzt auch weil sich die Wetterlage so stabilisiert hatte, dass wir am nächsten Morgen uns an die mächtige Hochwilde machen konnten, die in Bergsteigerkreisen seit jeher einen klangvollen Namen besitzt. Von Süden erfolgt ihre Besteigung über den Hans Grützmacher Steig, der in der hohen Felsenkante, teilweise mit Eisenketten versichert, schneefrei verläuft und der eigentliche Südgipfel 3482m dann noch über einen kurzen luftigen ausgesetzten Grat erreicht wird. Leider war uns der freie Blick nach Norden auf die großen Gletscherflächen der Ötztaler Alpen zu Wildspitze und Similaun durch die vom stürmischen Nordwind herangepeitschten Wolken verwehrt.

Nach Abstieg und kurzer Regenerationspause auf der Hütte starteten wir zunächst über das Eisjöchl und wandten uns vom unmittelbaren Alpenhauptkamm ein Stück ab und der Texelgruppe zu. Allerdings musste auf dem Weg zur nächsten Hütte, der Lodnerhütte (2259m), die eigentliche Schlüsselstelle der gesamten Bergtour, die Johannisscharte (2869m), überwunden werden. Hierzu mussten wir in einem sehr steilen steinschlaggefährdeten Geröllcouloir uns an Eisenketten mühsam hochziehend 150 Höhenmeter bewältigen. Nach einem kurzen Steilabschnitt auf der anderen Seite verlief der Weg dann unspektakulär bergab.

Der 4. Tag wartete mit einem sehr pittoresken Höhenweg von der Lodnerhütte zum Hochganghaus auf. Dieser Franz Hubersteig verläuft an den Steilhängen der Plattenspitze und des Tschigat vorbei, ist sehr ausgesetzt und bietet atemberaubende Tiefblicke ins Etschtal und war nichts für schwache Nerven. Die Sattelspitze (2429m) am Weg liegend nahmen wir als Gipfelziel mit. Vom Hochganghaus (1839m) 1500m oberhalb von Meran gelegen mussten wir am letzten Tag dann noch einen strammen Marsch mit 6 Stunden zurück nach Pfelders, unserem Ausgangspunkt im Passeiertal, absolvieren, was uns durch die äußerst reizvolle Landschaft der Spronser Seenplatte erleichtert wurde.

Zwar müde aber befriedigt durch die Erlebnisse erreichten wir am frühen Nachmittag Pfelders, von wo wir die Heimreise antraten.

Jörg Enders 26.09.2016

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