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Neue Ziele und jede Menge Vertrauen

Das 25-jährige Bestehen der "eigenständigen Sektion Pfullendorf" im Deutschen Alpenverein (DAV) wolle man nicht großartig feiern, sagte der Vorsitzende Jürgen Heim. Man wolle den Mitgliedern im Laufe des Jahres Vorträge mit namhaften Referenen anbieten.

Den Auftakt machte am Donnerstag die blinde ehemalige Biathletin Verena Bentele. Die dreifache Weltmeisterin und zwölffache Goldmedaillengewinnerin bei Paralympics „verzauberte“ die rund 170 Zuhörer im Haus Linzgau mit ihrer frischen Erzählweise.

 Dass sich die Leute dafür interessierten, was sie außer ihrem Sport mache, freue sie ganz besonders, meinte Verena Bentele. An diesem Abend berichtet sie über ihre Besteigung des Kilimandscharo im Februar vergangenen Jahres. Zuvor jedoch begrüßte sie einen weitren ganz besonderen Gast: Aus Radolfzell war Anna Lena Forster gekommen. Ihre Erfolge bei den Paralympics in Sotschi – sie gewann zwei Silbermedaillen im Monoskibobfahren – sind noch gut im Gedächtnis.

„Als Kind wurde ich von meinen Eltern in die Berge geschleppt – und ich fand es furchtbar“: So begann Verena Bentele ihren Vortrag. Sie spannte den Bogen von der Kindheit, in der noch Judo und Leichtathletik ihre bevorzugten Sportarten waren, über die Internatzeit, in der sie ihre Liebe zum Langlauf entdeckte – und schließlich zum Biathlon. Eine schöne Sportart, die ich die vergangenen 15 Jahre ausübte. Nach Beendigung ihrer Karriere 2011 habe sie sich neue Ziele gesetzt, erzählt die junge Frau. Eines davon war die Besteigung des Kilimandscharo. Das klingt nicht nur spannend, das ist es auch.

Frisch von der Leber weg erzählt Verena Bentle, während ihr Begleiter Jan Gerspach via Laptop Bilder präsentiert. Als „abgefahren“ habe sie es empfunden, dass Träger – so genannte Porter – sogar Tische und Stühle und gar Tischdecken mit auf den Berg schleppten – neben vielen anderen Dingen. „Was in den folgenden Tagen aber doch ganz angenehm war“, verrät sie mit einem Schmunzeln.

Eines habe sie gelernt am Berg, berichtet Verena Bentele: Geduld zu haben und Vertrauen in die Bergführer. So heißt auch ihr Buch, das sie an diesem Abend auch vorstellte: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!“ Dieses Vertrauen in die Leute, mit denen man auf den Berg gehe, auch für Sehende, sei für sie ein ganz beeindruckendes Erlebnis gewesen.

Ganz selbstverständlich geht Bentele mit ihrer Behinderung um. So kann auch mal gelacht werden, wenn sie die Frage in den Raum stellt: „Wie erlebe ich die Berge?“ – und die lapidar meint: „Der Blick ist es nicht.“ Die Freiheit spüre man auch so, den Wind um die Nase und die Geräusche, oder auch mal die Stille. Oder wenn sie erzählt, wie das ist, wenn sie nachts die Toilette aufsuchen muss und dafür die Freundin wecken muss. „Man könnte ja im falschen Zelt landen“, erzählt sie – und weiter: „Wenn es dann wenigstens jemand wäre, bei dem es sich lohnt!“

Auf dem langen Weg habe sie immer mal wieder die Gruppe zum Weitermachen motivieren können. Da habe sich bemerkbar gemacht, dass sie Ausdauersportlerin war. Und dann wurde der 32-Jährigen noch eine ganz besondere Ehre zuteil: Ihr Bergführer sei total stolz gewesen, dass er den ersten blinden Menschen auf den Kilimandscharo habe führen dürfen.

Ob sie die Tour noch einmal machen würde, wisse sie heute noch nicht. So schnell sicher nicht. Ihr nächstes Ziel sei der Radmarathon Trondheim – Oslo im Juni über 540 Kilometer auf den Rennrad-Tandem, die sie im vergangenen Jahr mit ihrem Trainingspartner Alex Heim in 21 Stunden bewältigte. „Nach meiner Langlauf- und Biathlon-Karriere ist das ein neues sportliches Ziel, das ich mir gesetzt habe.“

Ein Bericht von Gudrun Beicht, veröffentlicht vom Südkurier am 28.03.2014

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