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Mont Blanctour  08.08.-11.08.2011

Teilnehmer: Martin Hensler, Ekke und Toni Hößler und Joachim Lorenz

Fahrt um ½ 5 nach Chamonix, Regentropfen, Sonne, Wolken beim Aufstieg zum Refuge Couvercle ab der Bahnstation der Zahnradbahn in Montenvers über das Mer de Glace, was inzwischen Meer der Steine heißen müsste. Einstieg zu den Leitern, die aus dem Gletscherboden herausführen verpasst, somit eine Stunde auf dem Geröll nach dem richtigen Weg gesucht, bis wir den Zustieg zu den ca. 10 Leitern, die senkrecht am Fels hinaufführen gefunden haben. Auf der netten Hütte mit freundlichem Personal haben wir es uns dann erst mal gemütlich gemacht.

Dann um 3 Uhr wecken und nach dem Frühstück los in Richtung Aiguille de Triolet mit 3.700 m, sollte eigentlich als Eingehtour herhalten, war dann aber doch anstrengender als gedacht, weil frischer Schnee der Nächte davor jegliche Spuren gelöscht hatte, der Weg nicht ganz einfach zu finden war und nur ganz wenige Seilschaften am Berg unterwegs waren. Gemeinsam haben wir aber dann einen gangbaren Weg über den Gletscherbruch gefunden, der zwar nicht dem Normalweg entsprach, aber egal, wir waren zunächst mal drüber. Nachdem sich die Führe eigentlich sehr eindeutig über das Col darlegte mussten wir dann doch ca. 250 Höhenmeter vom Gipfel entfernt umdrehen, weil der Wind stark zugenommen hatte und es dadurch saukalt geworden war. Nach einigen kurzen Wolkenlücken hat sich der Berg dann auch wieder in Wolken gehüllt, so dass wir von der Besteigung des Gipfels dann doch abließen. Dann der lange und kraftraubende Abstieg über die Geröll-und Schutthalden des verbliebenen Gletscherrestes nach Montenvers, wo wir dann „fürstlich“ im Grandhotel de Montenves übernachteten, einem Bergsteigerheim mit etwas morbidem 20er Jahre Charme mit vermutlich der Originaleinrichtung seit Gründung aber, wer hätte es gedacht, sogar mit Dusche und Tischwein zum Essen.

Am anderen Tag in der Frühe Abfahrt mit der 1. Bahn nach Chamonix und Verlegung das Les Houches. Vor dort dann Auffahrt mit der Seilbahn Belle Vue, dann mit der der bereits überfüllten Zahnradbahn bis Endstation Nid d Àigle. Dann bei gutem Wetter Aufstieg über zunächst schönem Bergsteig zum Refuge Tete Rousse bis zum Refuge de Gouter. Da wir keine Chance hatten, einen vor gebuchten Platz in der Hütte zu bekommen, haben wir Tete Rousse ausgelassen um unser Glück auf der Gouter zu versuchen, auch um uns in der kommenden Nacht dann den Aufstieg über die 650 Höhenmeter zu sparen. Trotz warmem Wetter und erhöhter Steinschlaggefahr durch den auftauenden Frost am Nachmittag wagen wir den Übergang über das berüchtigte Grand Couloir de Gouter. Martin und Ekke sind vorausgegangen, da sie sowieso schneller sind als Toni und ich. Die Stahlseilsicherung außer Acht lassend, weil wir damit viel zu langsam gewesen wären, nehmen wir einzeln das weiter unten hängende Fix Seil in die Hand und rennen über die recht schmale Rinne, wenn der Berg mal gerade nicht mit Steinen und Eisbröcken nach uns wirft. Von außen betrachtet, sicherlich keine alpinistische Großtat und die Haltungsnoten waren auch eher bescheiden, aber wir waren alle 4 unversehrt drüber. Dann noch schöne Blockkletterei mit teilweise Schneepassagen und Stahlseilsicherungen zum Refuge de Gouter.

Auf der Hütte, wie befürchtet, mindestens die doppelte Menge an Menschen aller Nationalitäten, als Kapazität vorhanden, so dass wir befürchten müssen, abgewiesen zu werden. Dank dem Charme unserer beiden Verhandlungsführer Toni und Martin bekommen wir von der strengen Hüttenwirtin wenigstens ein Bleiberecht für die Nacht in der Hütte und sogar ein Frühstück. Was für ein Chaos in der beginnenden Nacht. Wir liegen unter den Tischen und darauf, jeder Winkel des Fußbodens ist belegt, Schnarchen in fremden Sprachen klingt auch nicht besser und dauernd raschelt einer rum oder stolpert über fremde Beine beim Weg auf die Toilette.

Endlich um ½ 2 Uhr ist die Nacht, die eigentlich keine war zu Ende, kurzes karges Frühstück auf engem Raum und dann endlich raus ins Freie. Was für ein Anblick: Sternenklare Nacht, tief unter uns die gelben Lichter von Chamonix, am Berg unter uns bereits die Lichter der Gipfelaspiranten von der Tete Rousse und über uns ein fast voller Mond, der uns den Weg auf den Mont Blanc weist. In Stiller Prozession wandert die Lichterkette den Berg nach oben, am Zeltplatz der „Freiluftschläfer“ vorbei, zunächst über den sanft gerundeten Hügel des Dome de Gouter, dann vorbei am Vallot-Bivak vorbei über den schönen aber ausgesetzten Bossesgrat, der in seiner Schönheit dem Biancograt nicht nachsteht nur in der Länge, geht es Richtung Gipfel. Was für ein Erlebnis: der langsam schwindende Mond wird rot im Westen im Untergehen und steht bereits unter uns, als im Osten bereits der Morgen erwacht, in dieser Höhe um einige Zeit früher als im Tal. Durch das langsame Gehen in der Kolonne haben wir genügend Reserven, um die aufgehende Sonne kurz vor dem Gipfel in vollen Zügen zu genießen. Was für ein Berg, was für ein grandioses Erlebnis, welches Gefühl am Ziel unserer alpinistischen Träume zu stehen und das bei perfekten Bedingungen. 4.808 Meter über dem Meer, was für eine Freude, es geschafft zu haben, ich kann meine Tränen der Freude des Glücks und der Dankbarkeit für einen kurzen Moment nicht zurückhalten. Auch wieder einmal die Erkenntnis, die leider nie lange anhält, wie klein der Mensch und unbedeutend er ist, vor der Gewalt und der Schönheit der Berge.

Nachdem wir unser Gipfelglück genügend genossen hatten, ging es an den unvermeidlichen Abstieg. Zunächst relativ harmlos über geneigte Firnhänge talwärts. Den Mont Maudit, der noch am Weg lag, nehmen wir noch mit, den Aufstieg zum Mont Blanc de Tacul wollen wir uns nach kurzer Beratung nicht mehr antun. Völlig unvermittelt stehen wir dann vor einer ca. 90m langen Abbruchkante mit einer Neigung von ca. 50 Grad. Von oben betrachtet, nicht ganz Ohne. Mit leicht flauem Gefühl im Bauch, aber am Seil meiner Kameraden gesichert ging es dann über die Kante, da das Seil aber nach 60 Meter zu Ende war, blieb dann nur Ausbinden und den Rest vorsichtig mit dem Pickel im kurzen Griff abzuklettern. Verwundert haben uns die vielen Seilschaften, die uns noch entgegenkamen, bereits zur Mittagszeit. Teilweise durch ihre Führer regelrecht am Seil nach oben gezogen. Dann noch der Gegenanstieg zur Aiguille de Midi. Nicht allein die 300 Höhenmeter zum Schluss waren zu bewältigen, viel härter und auch überraschend hat uns der immer schmaler werdende Grat vor der Bahnstation nochmal die volle Konzentration abverlangt.

Eigentlich hatten wir geplant, mit der Bahn über das Meer de Glace zum Refugio Torino zu fahren, dort zu übernachten und am anderen Tag den Dent du Geant zu besteigen, aber nochmal eine Nacht wie zuvor in überfüllter Hütte wollten wir nicht aushalten, so dass wir beschlossen, doch gleich nach Chamonix mit der Bahn abzufahren. Nach kurzer Erfrischung am Auto haben wir uns dann auf die Heimfahrt gemacht, welche unser Fahrer Ekke bravourös gemeistert hat. Beim gemeinsamen Abendessen in Sipplingen ging unserer großartige Bergfahrt zu Ende.

Joachim Lorenz

 

 

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